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Sigrun Kleber - Hilfe für Fohlen in Not
Die Krankenschwester Sigrun Kleber rettet gemeinsam mit den "Pferdefreunden Birnbaum" Fohlen aus Österreich und Deutschland vor qualvollen Transporten zur Schlachtbank. Fohlen im Glück: Von Anfang September bis Mitte November ist Sigrun Kleber viel unterwegs. Die 31jährige Krankenschwester aus dem kleinen Ort Birnbaum in Mittelfranken fährt jedes Jahr zu Pferdeauktionen - vor allem nach Oberbayern und Schwaben. Sigrun Kleber ersteigert Pferde - nicht für sich, sondern für einen von ihr initiierten gemeinnützigen Verein, der verhindern will, daß Haflinger- und Kaltblutfohlen bereits wenige Monate nach ihrer Geburt von Pferdemetzgern gekauft und zu Wurst verarbeitet werden. "Das sind kerngesunde Tiere, die nicht dazu bestimmt sind, schon geschlachtet zu werden" - davon ist die Pferdefreundin zutiefst überzeugt. Inzwischen hat Sigrun Kleber mehr als 200 Haflinger- und Kaltblutfohlen retten können. Tiere, die nicht gleich weiter vermittelt werden, nimmt sie in ein eigens eingerichtetes Pferdeasyl mit Offenstallhaltung, Koppeln und Sommerweiden auf. Stall ausmisten, Füttern, Pferde putzen - die Versorgung der Tiere nimmt ihre gesamte Freizeit in Anspruch. Bis zu 25 Pferde können in ihrem Asyl Platz finden, die Unterhaltskosten - pro Monat insgesamt etwa 3000 Mark für Futterkosten, Tierarztbesuche, Hufschmied - trägt ein gemeinnütziger Verein mit rund 100 Mitgliedern. Derzeit betreut Sigrun Kleber sechs einjährige Kaltblutfohlen und 17 Hafligner. Elf davon ersteigerte sie erst vor drei Monaten auf Auktionen in Kempten und Miesbach. Beide Märkte besucht sie seit mehreren Jahren - mit unterschiedlicher Resonanz: "In Kempten gibt es viele Züchter, die sich darüber freuen, wenn wir ihre Fohlen aufnehmen, in Miesbach müssen wir uns manchmal sogar rechtfertigen." Die hektische Atmosphäre einer Auktion erwackt in Sigrun Kleber fast so etwas wie Jagdfieber. Wenn sie herausgefunden hat, wer im Auftrag der Metzgereien mitbietet, treibt sie den Preis bewußt in die Höhe. "Manchmal", sagt Sigrun Kleber, "gibt es ein regelrechtes Bieterduell." Wenn ein Hengstfohlen für 500 und ein Stutfohlen schon für 600 Mark zu haben ist, wittern die Metzger gute Geschäfte. Liegt der Preis dagegen bei 750 oder 800 Mark, verlieren die Aufkäufer das Interesse. "Im vergangenen Jahr", so Sigrun Kleber, "hat der metzger in Kempten an die 40 Fohlen gekauft, in diesem Jahr waren es nur elf. Vielleicht schaffen wir es, daß er in den nächsten Jahren leer nach Hause fährt." Langfristig gelöst, davon ist die Tierschützerin überzeugt, wird das Problem nur, wenn die Züchter sich neu orietieren und das Angebot an Fohlen begrenzen. Qualität statt Quantität - an einigen Orten hat sich dieser Leitspruch bereits durchgesetzt. "Auch die Züchter haben etwas davon", meint Sigrun Kleber, "denn wenn sich die Preise in einer Höhe bewegen würden, die für die Metzger nicht mehr interessant ist, würde der Züchter für seine Arbeit wieder gutes Geld bekommen. Rainer Heubeck |