Samstag, den 04. September 2010
Im Erlanger Tierheim vorgestellt
Fohlen gerettet
Junge Pferde wandern oft sofort zum Metzger - Treue Helfer aus
Birnbaum
Auf Auktionen in Südbayern werden sie meistbietend versteigert:
Haflinger und Kaltblutfohlen, nur wenige Monate alt. Ist die Nachfrage
gering oder sind kaum Käufer da, sind sie gerade noch den Schlachtpreis
wert. Für 700 Mark gehen sie an den Metzger weg. Das ist weniger,
als für die gleiche Menge Rindfleisch, sprich ein Kälbchen gleicher
Größe, bezahlt wird.
Nicht etwa, daß sie krank sind und ihnen Schmerzen erspart bleiben
sollen, z. B. bei einem sogenannten "Gebäudeschaden" oder anderen
körperlichen Mängeln. Im Gegenteil: Sie sind völlig gesund, weil
sie sonst gar nicht auf einer Auktion angeboten werden dürfen. Aus
ihnen könnten hervorragende Freizeit-, Kutsch- oder Reitpferde werden.
Aber sie wurden "überproduziert", kosten Geld. Also kommen die Metzger
zum Zuge.
In engen Transportern
Doch Pferdefleisch ist in Deutschland wenig gefragt. Deshalb werden
diese Pferde "Babys" nach Südeuropa gekannt, zum im Beispiel nach
Italien oder auch Frankreich. Da nur die Menge zählt, werden sie
gnadenlos so eng wie möglich in die Transporter gestopft, um dann
nach tagelangem Transport wenn sie ihne überlebt haben mit dem Pickelhammer
auf irgendeinem Schlachthof erschlagen zu werden.
"160
solcher Fohlen konnte ich bisher vor dem Metzger oder dem Todestransport
retten", sagt Sigrun Kleber vom Verein Pferdefreunde Birnbaum. Sie
konnte nicht tatenlos zusehen. Obwohl als Krankenschwester ganztägig
berufstätig, fährt sie mit möglichst prall gefüllter Geldtasche
auf die Auktionen und tritt auf den Plan, wenn die Metzger um das
"Schlachtvieh" feilschen. "Wenn ich siebentausend Mark mit habe,
weiß ich, daß ich zehn Fohlen das Leben retten kann. Bei den anderen
muß ich hilflos zusehen, wie sie mit Gewalt in die Transporter gepfercht
werden," sagt sie.
Bei nur 88 Vereinsmitgliedern und sechzig Mark Jahresbeitrag kommen
kaum Reichtümer zusammen. Spenden gibt es so gut wie keine, da bisher
nur Eingeweihte von ihrer Existenz wissen. Dabei kosten die freigekauften
Mini-Hengste und Mini-Stuten viel Geld: Gutter, Stroh, Tierarzt,
ganz zu schweigen von der täglichen Pflege. Denn aus ihnen soll
in einigen Jahren das werden, wozu sie geobren sind. Sigrun Kleber
sorgt mit einigen ehrenamtlichen Helfern und einer Jugendgruppe
dafür, daß sie artgerecht aufwachsen können. Dann werden sie an
geeignete Käufer vermittelt, die "Schlachtpreis" plus Aufzuchtkosten
zahlen. Sie müssen einen Übernahmevertrag unterschreiben und damit
einverstanden sein, daß Stallkontrolle erfolgt.
"Am besten wäre, wenn auf Auktionen nur so viele Fohlen angeboten
würden, wie auch wirklich gekauft werden.
Aber viele Bergbauern leben davon, daß sie diese Fohlen zumindest
für den Schlachtpreis verkaufen. So müssen weiterhin die Stuten
ständig Nachwuchs haben", klagt Sigrun Kleber.
Drei ihrer freigekauften Fohlen waren am Samstag auf dem Gelände
hinter dem Erlanger Tierheim zu sehen. Reiten darf man auf ihnen
nicht - sie sind schließlich keine Ponys - aber die Kinder konnten
sich mit ihnen fotografieren lassen.
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